{"id":17542,"date":"2019-04-20T01:46:35","date_gmt":"2019-04-20T01:46:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.antaiji.org\/?p=17542"},"modified":"2019-04-20T02:30:36","modified_gmt":"2019-04-20T02:30:36","slug":"20190420","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antaiji.org\/de\/20190420\/","title":{"rendered":"Hitoshi Nagai: Penetre und ich (3-3\/4\/5 Kann man Dinge sehen, weil sie existieren? Oder existieren sie, weil man sie sehen kann?), 20. April 2019"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/0dVdtDizbTc\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><b>Hitoshi Nagai:<br \/>\nPenetre und ich<\/b><\/p>\n<p><b>3-3 Kann man Dinge sehen, weil sie existieren? Oder existieren sie, weil man sie sehen kann?<\/b><\/p>\n<p>Penetre: Glaubst, dass man etwas sehen und anfassen kann, weil es existiert? Oder glaubst, dass etwas existiert, weil du es sehen und anfassen kannst?<br \/>\nIch: Nat\u00fcrlich m\u00fcssen die Dinge erst einmal existieren, damit ich sie sehen und anfassen kann!<br \/>\nPenetre: Warum bist du dir da so sicher? Dass du die Dinge sehen und anfassen kannst, weil sie existieren, kannst du doch nur behaupten, <i>weil<\/i> du sie sehen und anfassen kannst. Wenn du etwas nicht sehen oder anfassen kannst, dann wei\u00dft du auch nicht, ob es existiert.<br \/>\nIch: Gut, vielleicht wei\u00df ich dann nicht, ob das Ding existiert. Aber die Existenz des Dinges ist doch unabh\u00e4ngig davon, ob ich es erkenne oder nicht.<br \/>\nPenetre: Wie kannst du denn behaupten, es g\u00e4be eine vom Erkennen unabh\u00e4ngige Existenz? Um das zu behaupten, musst du doch erstmal etwas erkannt haben. Muss man etwas nicht erst einmal gesehen und erkannt haben, bevor man sagen kann, dass es existiert?<br \/>\nIch: Willst du damit sagen, dass Dinge nur existieren, wenn man sie auch sehen und anfassen kann? Das ist doch seltsam! Die Dinge existieren doch unabh\u00e4ngig davon, ob man sie gerade sieht oder nicht.<br \/>\nPenetre: Nat\u00fcrlich, du hast da nicht ganz unrecht. Die Antwort ist deshalb weder, dass die Dinge existieren, weil man sie sehen kann, noch dass man sie sehen kann, weil sie existieren. <b>In Wahrheit muss man sie sehen, um zu erkennen, dass sie existieren m\u00fcssen, damit man sie sehen kann<\/b>.<br \/>\nIch: ???<\/p>\n<p><b>3-4 Ist einer der weint, eine Heulsuse? Oder weint er, weil er eine Heulsuse ist?<\/b><\/p>\n<p>Penetre: Du kennst bestimmt auch Kinder, die man \u201eHeulsusen\u201c nennt, nicht wahr? Sind das Heulsusen, weil sie weinen, oder weinen die, weil sie Heulsusen sind?<br \/>\nIch: Heulsusen werden sie genannt, weil sie so oft heulen. Aber wenn sie keine Heulsusen w\u00e4ren, dann w\u00fcrden sie auch nicht so schnell mit dem Heulen anfangen\u2026<br \/>\nPenetre: Ist das nicht merkw\u00fcrdig? Dann wei\u00df man ja nicht, ob die Tatsache, dass einer eine Heulsuse ist, die Ursache oder die Wirkung des Weinens darstellt. Was denkst du?<br \/>\nIch: Ursache oder Wirkung? Das ist eine schwierige Frage!<br \/>\nPenetre: Also, es ist doch so: der Grund, weshalb einer Heulsuse genannt wird, ist dass er oft heult. Aber der Grund, warum er so oft heult, ist dass er eine Heulsuse ist. Es verh\u00e4lt sich genauso wie mit dem blauen Vogel, bei dem man erst einmal erkennen muss, dass er von Anfang an blau war (siehe 3-2). Das Weinen ist also der Grund daf\u00fcr, dass das Heulsusen-Sein zum Grund des Weinens erkl\u00e4rt wird.<br \/>\nIch: Ich hab\u2019s! Eine Heulsuse ist man nicht einfach deshalb, weil man so oft weint, und man weint auch nicht, weil man eine Heulsuse ist. <b>In Wirklichkeit kann man nur deshalb behaupten, dass einer so oft weint, weil er eine Heulsuse ist, weil er so oft weint. <\/b> Stimmt\u2019s?<\/p>\n<p><b>3-5 Wann wurde der blaue Vogel blau (2)?<\/b><\/p>\n<p>Penetre: Der blaue Vogel steht f\u00fcr das Gl\u00fcck, nicht wahr? Was bedeutet die Geschichte aber wirklich?<br \/>\nIch: Ist das nicht ganz einfach? Das wahre Gl\u00fcck findet man nicht in der Ferne, sondern zuhause bei sich.<br \/>\nPenetre: Bedeutet das, dass die Kinder, die sich auf die Suche nach dem Vogel gemacht haben, von Anfang an gl\u00fccklich waren \u2013 ohne es zu wissen? Oder haben sie das Gl\u00fcck erst am Ende gefunden, als Ergebnis ihrer Suche?<br \/>\nIch: Der Autor will mit seiner Geschichte vermutlich sagen, dass wir in Wirklichkeit schon gl\u00fccklich sind, ohne uns dessen von Anfang an bewusst zu sein. Die Frage ist nur, ob man jemanden schon gl\u00fccklich nennen kann, der sich seines Gl\u00fccks noch nicht bewusst ist. Wenn sich jemand nicht wirklich gl\u00fccklich f\u00fchlt, dann ist er auch nicht gl\u00fccklich \u2013 oder?<br \/>\nPenetre: Du behauptest also, dass etwas nicht blau sein kann, wenn es nicht blau aussieht?<br \/>\nIch: Nein, das ist etwas anderes. Ob etwas blau aussieht oder nicht, liegt nicht nur daran, wie es der Betreffende sieht. F\u00fcr die Bl\u00e4ue gibt es objektive Kriterien. <b>Welche Kriterien gibt es aber f\u00fcr das Gl\u00fcck, au\u00dfer ob sich jemand tats\u00e4chlich gl\u00fccklich f\u00fchlt oder nicht?<\/b><br \/>\nPenetre: Also ist einer, dem man in einem Lebenssimulator ein gl\u00fcckliches Leben vorspielt, auch wirklich gl\u00fccklich \u2013 stimmt\u2019s (siehe 1-5)?<br \/>\nIch: Hmm\u2026 Da bin ich mir wiederum nicht so sicher.<br \/>\nPenetre: Stell dir einen Menschen vor, dem man vorschwindelt, dass er in Wirklichkeit gl\u00fccklich sei. Lange Zeit glaubt er es tats\u00e4chlich, aber irgendwann kommt er hinter den Schwindel. Wird er dann pl\u00f6tzlich ungl\u00fccklich? Nein, wahrscheinlich wird er in dem Augenblick erkennen, dass er die ganze Zeit \u00fcber nicht wirklich gl\u00fccklich war. Er wird also nicht deshalb ungl\u00fccklich, weil er hinter den Schwindel gekommen ist, und es ist auch nicht so, dass er von Anfang an ungl\u00fccklich war. Erst als er hinter den Schwindel gekommen ist, hat er erkannt, dass er die ganze Zeit \u00fcber ungl\u00fccklich war. Wie war es noch einmal mit dem blauen Vogel?<br \/>\nIch: Verstehe, es ist also umgekehrt wie beim blauen Vogel. <b>Die Kinder sind nicht in dem Augenblick gl\u00fccklich geworden, als sie erkannten, dass ihr Vogel blau ist. Andererseits waren sie aber auch nicht von Anfang an gl\u00fccklich. Sie wurden in dem Augenblick \u201evon Anfang an gl\u00fccklich\u201c, als sie den Vogel als blau erkannten. <\/b><br \/>\nPenetre: Das bedeutet also, dass man in Wirklichkeit gl\u00fccklich sein kann, ohne sich unbedingt gl\u00fccklich zu f\u00fchlen. Oder nicht?<br \/>\nIch: Aber um das zu behaupten, muss man es doch im Nachhinein erkennen! Man muss daf\u00fcr erst einmal erkennen, dass man selbst dann schon gl\u00fccklich war, als man sich noch ungl\u00fccklich f\u00fchlte. Wenn einer das nicht erkennt, kann man ihn dann wirklich \u201ein Wirklichkeit gl\u00fccklich\u201c nennen?<br \/>\n<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hitoshi Nagai: Penetre und ich 3-3 Kann man Dinge sehen, weil sie existieren? Oder existieren sie, weil man sie sehen kann? Penetre: Glaubst, dass man etwas sehen und anfassen kann, weil es existiert? Oder glaubst, dass etwas existiert, weil du es sehen und anfassen kannst? Ich: Nat\u00fcrlich m\u00fcssen die Dinge erst einmal existieren, damit ich &#8230; <a title=\"Hitoshi Nagai: Penetre und ich (3-3\/4\/5 Kann man Dinge sehen, weil sie existieren? Oder existieren sie, weil man sie sehen kann?), 20. April 2019\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.antaiji.org\/de\/20190420\/\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Hitoshi Nagai: Penetre und ich (3-3\/4\/5 Kann man Dinge sehen, weil sie existieren? Oder existieren sie, weil man sie sehen kann?), 20. April 2019\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[29,78],"tags":[],"class_list":["post-17542","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-blog","category-video"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17542","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17542"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17542\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17563,"href":"https:\/\/www.antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17542\/revisions\/17563"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}